Über das Schwimmen
mit Delphinen
Wunderschön waren sie für mich schon immer. Ihre Fröhlichkeit, Verspieltheit; die Art, wie sie scheinbar mühelos im Wasser dahingleiten. Gleichzeitig waren sie für mich etwas jenseits meiner Welt, fern, unerreichbar. Ich kannte sie zwar aus der Sendung Flipper. Und einmal, als wir in meiner Kindheit in Florida Urlaub machten, sah ich sie aus der Ferne; mein Herz hüpfte vor Freude. Trotzdem waren sie nicht ein Teil meiner Wirklichkeit.

Als ich Anfang 20 war, fing ich an, meinem Herzen zu folgen. Ich ging auf Reisen, um Antworten zu finden. Um die ganze Welt. Habe unterwegs immer wieder längere Zeit an besonderen Plätzen angehalten. Am Meer trifft man dabei früher oder später unweigerlich auf sie. Zuerst ein schimmernder Rücken aus der Ferne, ein Sprung in die Luft. Auf einem Segelboot, tauchen sie plötzlich am Bug auf, wie aus dem Nichts. Immer wieder erlebe ich das, wie sie aus diesem Nichts auftauchen. Plötzlich sind sie da, alles andere spielt keine Rolle mehr. Lange Zeit hängen wir über den Bug, summen ihnen Lieder zu. Sie drehen uns ihre Bäuche zu, schauen uns in die Augen, lachen uns an.

Mit der Zeit sah ich sie immer wieder, immer öfter. Und erkannte, dass die Schönheit, die diese Meeressäuger ausstrahlen, allmählich auch ein Teil meines Lebens geworden war. Sie spiegelten diese Schönheit. Sie fingen an, auch in meine Nachtträume zu kommen. Sangen Lieder für mich, schwammen mit mir, wiegten mich

Bald reiste ich nur ihretwegen an Plätze, auf der ganzen Welt: die kanarischen Inseln, Australien, Hawaii, die Karibik, Mittelamerika. „Nur wer seine Träume lebt“, schreibt der Schriftsteller Sergio Bambaren, „kann seine Sehnsucht stillen.“ Eines seiner schönsten Bücher ist „Der träumende Delphin“.

Ich traf auf Menschen, die tatsächlich mit ihnen geschwommen waren und davon berichteten. Ich wußte, das werde ich auch bald machen. Anfangs war ich scheu – und sie blieben mir ein Stück fern. Denn Delphine sind telepatisch. So weit sich der Mensch für eine Begegnung öffnet – so nahe kommen sie einem. So weit der Mensch den Zauber des Unerklärlichen, des Wortlosen, das Mysterium des Lebens zuläßt – so weit geschehen auch zauberhafte Begegnungen. Mit der Zeit vertraute ich immer mehr – und sie kamen mir immer näher; und desto näher kam auch ich mir selbst.

Irgendwann berührten sie mich sogar. Es passierte genau wie in einem Traum, den ich ein paar Tage davor hatte. Ich schnorchelte im kristallklaren, warmen Wasser der Bahamas. Um uns eine Gruppe von 10 Delphinen. Ich hielt die Luft an, tauchte unter, drehte mich – so, wie sie gerne schwimmen und spielen. Zwei kamen, und drehten sich mit mir, um mich herum. Gemeinsam bildeten wir eine Spirale, die immer wieder hinuntertauchte, auftauchte, hinuntertauchte. Und dann berührten sie mich, streiften beim Drehen immer wieder sanft an meinem Arm, meinem Rücken. Genauso wie sie sich untereinander immer wieder sanft und liebevoll berühren, streifen. Es war für mich der wunderschönste, zärtlichste Austausch unserer Energien. Mein Herz strahlte.

Heute, nach vielen Jahren, begleite ich selbst Menschen dabei, mit den Delphinen zu schwimmen. Das ist heute mein Motor, mein Antrieb. Weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie wohltuend und heilend die Begegnung mit Delphinen ist. Was ist diese Faszination, die Delphine auf Menschen ausstrahlen? Weshalb suchen immer mehr Menschen den Kontakt mit ihnen, möchten mit ihnen schwimmen?

Es ist ihre Freude und Verspieltheit. Sobald die Delphine kommen, lachen die Menschen. Ich beobachte es immer wieder. Die Gesichter und Augen kriegen ein kindliches Leuchten, Strahlen. Die Seele, das Herz freut sich einfach nur. Die Menschen spielen wieder.

Es ist auch ihre Liebe. Delphine berühren die zarteren und feineren Empfindungen der menschlichen Seele, nach denen so viele heute Sehnsucht haben. Die Seiten, die in unserer so schnellebigen Zeit, geprägt von Terminen und Druck, zu kurz kommen. Delphine zu erleben ist ein Rückkehr zu diesem sensiblen Seinszustand der Liebe. Wie sie miteinander umgehen, sanft und zärtlich, in der Gruppe Rüksicht nehmen. Es gibt ständig Körperkontakt mit allen, es sind sanfte Berührungen im Wasser.

Aggressiv werden Delphine nur, wenn sie in Gefangenschaft sind und manchmal auf ihre Trainer losgehen, oder wenn sie angegriffen werden. Und wenn die jungen männlichen Delphine in die Pubertät kommen, sich in ihrer natürlichen Kraft messen und erleben wollen. Das ebbt wieder ab, wenn die Männchen voll ausgewachsen sind. Davon abgesehen sind Delphine zärtlich und besonders fürsorglich mit den kleinsten und schwächsten unter ihnen.

Es ist auch ihre Präsenz. Wenn die Delphine da sind, gibt es kein Gestern und Morgen mehr; die Aufmerksamkeit ist voll und ganz auf das Erleben im Moment gerichtet. Da-Sein, Präsenz: Das Ziel so vieler spiritueller Praktiken. Voll das Leben leben, in jedem Moment, mit allen Sinnen und mit vollem Bewußtsein. Noch ein Grund, weshalb viele Menschen, die auf einem spirituellen oder meditativem Weg sind, sich zu den Delphinen hingezogen fühlen.

Und es ist auch ihr Sein in der Gruppe. Einen großteil des Tages sind wir ohne die Delphine, nur miteinander. Meist kommen die Delphine, wenn die Menschen nicht nach ihnen suchen, sondern entspannt im Hier und Jetzt sind. Genauso wie die Delphine  miteinander sind. So wird die Erfahrung, mit den Delphinen zu sein, auch zu einer Erfahrung mit der Gruppe.

Viel mehr also als ein Trend, eine Modewelle ist der Wunsch von immer mehr Menschen, mit Delphinen zu schwimmen. Es ist tatsächlich gesundmachend. Es ist Medizin. In den schamanischen, den naturheilenden Methoden, kann alles Medizin sein: nicht nur Kräuter, sondern auch eine Wolke, ein Baum, ein Mensch – und Tiere. So wie die Medizin des Adlers ist, sich aus den Sümpfen des eigenen Lebens zu erheben und von weit oben mit blitzscharfen Augen ganz klar zu sehen, was tatsächlich da unten vor sich geht; so ist die Medizin der Delphine Freude, Liebe, Im-Moment-Sein und das Aufgehen in der Gruppe.

Die Gefühle und das Leben kommen wieder im Fluss. Wo Liebe ist, wo Lachen und Freude sind, öffnet sich das Herz, und alles Unterdrückte kommt hoch. Ich erlebe immer wieder, dass Menschen gleichzeitig Lachen und Weinen, wenn die Delphine kommen. Oder, dass sie, nach einer sehr intensiven Delphinbegegnung, sich erstmal hinlegen und eine Runde weinen, alten Schmerz rauslassen. Manche kommen um Depressionen zu heilen, oder um den Tod geliebter Menschen zu verarbeiten.

Die Heilung geschieht auch durch das Wasser und den Atem. Durch die beiden Elemente – Luft und Wasser -, die für das Dasein und Überleben der Delphine am wichtigsten sind. Sie können nur im Wasser leben, in diesem flüssigen Element; und sie brauchen die Luft, als Säugetiere, um zu atmen.

Auch wir kommen aus dem Wasser, aus dem Bauch unserer Mutter, warm und geborgen. Deswegen schwimme ich mit den Delphinen am liebsten in den warmen Breitengraden der Welt, in den Bahamas, der Karibik, Hawaii oder  Bali. Dort ist das Wasser so warm, dass man eine Stunde nur im Badeanzug, ohne Tauchanzug, drinnen bleiben kann; es wird einem nicht kalt. Das Wasser ist sauber, kristallklar. Man kann bis auf  den Grund blicken, der im Delphin-Revier ca. 20 Meter tief ist. Schwärme von Fischen ziehen vorüber, Seesterne liegen am Grund. Zutiefst nährend, warm, weich und samtig ist es, in diesem köstlichen Wasser zu baden. Auf dem Rücken liegend, dahinschwebend, zerfließen Grenzen. Alles ist warm, tiefe Geborgenheit kehrt zurück.

Das andere Element der Heilung ist Luft - der Atem. Mit Delphinen zu schwimmen ist auch wie Atemtherapie. Wir atmen dabei genau wie sie. Delphine halten die Luft an, wenn sie untertauchen. Wir machen, mit Schnorchel und Maske im Wasser, dasselbe. Wenn wir an die Oberfläche zurückkommen, blasen wir die Luft aus den Schnorcheln, kräftig. Dann atmen wir wieder intensiv ein und aus. So lösen sich viele Spannungen in unserem Körper und unserer Seele. Das Gewebe wird mit Sauerstoff angereichert, wir werden wieder kraftvoll.

Ein Grund, weshalb Delphine so lebendig sind, ist wegen ihrer Atmung: Sie nutzen ihren Atem zu hundert Prozent, was Menschen kaum tun. Wenn ich die Delphine betrachte, die in Freiheit leben, kommt es mir vor, als seien sie von  strahlendem und hellem Licht umgeben. Ich glaube, es liegt an ihrer Atmung: Sie führen ihrem Körper durch ihre Atmung so viel Energie zu, dass diese sichtbar nach Außen ausstrahlt.

Es gibt viele Theorien darüber, wer Delphine wirklich sind: Engel der Meere, reinkarnierte Seelen, die uns helfen zu heilen. Ich schwimme mit den Delphinen, neben anderen Plätzen, auch in Gegenden, die zum frühen Atlantis oder zum frühen Lemurien gehört haben sollen. Manche von ihnen sollen inkarnierte Seelen von Atlantis oder Lemurien sein; andere sagen, sie kommen von Sirius.

Wer sind Delphine wirklich? Ich weiß es nicht. Es ist auch nicht wirklich wichtig - sondern die Heilung, Liebe und Freude, die mit den Delphinen im Hier und Jetzt geschieht. Die spürt jeder.

Lisa
Video: Delphinschwimmen mit Lisa
Schwimmen mit Delphinen